Direkt zum Inhalt

Betriebsvermögen

GEPRÜFTES WISSEN
Über 100 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 8.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Banklexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Bedeutung: Bei Kaufleuten und anderen buchführenden Unternehmern ist handels- und (einkommen)steuerrechtlich das Betriebsvermögen in der Bilanz zu bilanzieren. Die Abgrenzung zwischen Betriebsvermögen und Privatvermögen ist damit von Bedeutung für den Bilanzierungsumfang. Dabei sind rechtsformabhängige Besonderheiten zu beachten. Steuerlich haben auch Selbstständige und Freiberufler sowie Land- und Forstwirte Betriebsvermögen, auch wenn sie es nicht bilanzieren. An die Betriebsvermögenseigenschaft knüpfen einige steuerliche Förderungen an, z.B. Reinvestitionsrücklage und  Investitionsabzugsbetrag (§§ 6c, 7g EStG).

    2. Betriebsvermögen nach Handelsrecht: Das Unternehmensvermögen nach Handelsrecht ist das dem Unternehmen gewidmete Reinvermögen. Bei Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften besteht aufgrund der Anerkennung von Verträgen durch das Zivilrecht eine weitgehende Entscheidungsfreiheit. Da bei Einzelunternehmen zwischen der Privat- und Unternehmensperson zivilrechtlich keine Verträge abgeschlossen werden können sind, besteht die Zuordnungsfreiheit nur, soweit nicht das Vermögen eindeutig zum Privatvermögen oder Betriebsvermögen zählt.

    3. Betriebsvermögen nach Einkommensteuerrecht: Bei Kapitalgesellschaften zählen nur solche Wirtschaftsgüter zum Betriebsvermögen der Gesellschaft, die dieser zivilrechtlich gehören oder an denen sie das wirtschaftliche Eigentum (§ 39 AO) hat, nicht jedoch Wirtschaftsgüter, die den Gesellschaftern zivilrechtlich zuzuordnen, aber der Gesellschaft zur Nutzung überlassen sind. Bei Personengesellschaften hingegen umfasst das Betriebsvermögen nicht nur das zivilrechtliche und in der Gesamthandsbilanz ausgewiesene Reinvermögen, sondern auch das Vermögen, das die Gesellschafter der Gesellschaft zur Nutzung überlassen haben, das sog. Sonderbetriebsvermögen der Mitunternehmer. Die Entscheidungsfreiheit über die Zuordnung der Bilanzobjekte zur Privat- oder Unternehmenssphäre ist im Einkommensteuerrecht aufgrund des Dualismus der Einkünfteermittlung (Einkommensteuer) erheblich eingeschränkt. Während Kapitalgesellschaften nur notwendiges Betriebsvermögen haben, gibt es bei Einzelunternehmern und Personengesellschaften drei steuerrechtliche Vermögensbereiche, bei denen folgende Zuordnungsvorgaben bestehen:
    Zum Privatvermögen zählen alle Vermögensgegenstände und Schulden, die nicht der Erzielung von Einkünften, sondern der privaten Lebensführung dienen.
    Vermögensteile, die nicht eindeutig dem Betriebsvermögen oder Privatvermögen zuzuordnen sind (neutrales Vermögen), können zum gewillkürten Betriebs- oder zum gewillkürten Privatvermögen erklärt werden. Solches Vermögen liegt vor, wenn es geeignet ist, den Betrieb objektiv zu fördern (objektive Eignung). Um gewillkürtes Betriebsvermögen handelt es sich, wenn es dem Betrieb deutlich erkennbar gewidmet wurde (subjektive Bestimmung). Es setzt zudem voraus, dass eine zwingende Zuordnung zum Betriebs- oder Privatvermögen nicht von vornherein vorzunehmen ist und dass bei gemischt genutzten, beweglichen Wirtschaftsgütern der betrieblich genutzte Anteil mindestens 10 Prozent und höchstens 50 Prozent beträgt.

    Zum steuerlichen Betriebsvermögen können nur Wirtschaftsgüter zählen, die in einem objektiven wirtschaftlichen oder tatsächlichen Zusammenhang mit dem Betrieb stehen.

    4. Sonderregeln des Einkommensteuerrechts: Für den Fall der gemischten Nutzung von Wirtschaftsgütern bestehen im Steuerrecht dezidierte Zuordnungsregeln:
    Bei beweglichen, vertretbaren Wirtschaftsgütern (z.B. Öllieferung) erfolgt die Aufteilung in unternehmerisch veranlasste und privat veranlasste Nutzung.
    Bei beweglichen, nicht vertretbaren Wirtschaftsgütern (z.B. Pkw) (Übersicht „Zuordnungsregeln bei beweglichen, nicht vertretbaren Wirtschaftsgütern”) erfolgt keine Aufteilung, sondern eine vollständige Zuordnung zum Betriebsvermögen oder eine vollständige Zuordnung zum Privatvermögen.

     


    Bei unbeweglichen Wirtschaftsgütern (Grundstücke, Gebäude) erfolgt eine Aufteilung in mehrere Wirtschaftsgüter entsprechend der Nutzung, falls eine räumliche Trennung möglich ist. Die Aufteilung erfolgt regelmäßig nach der Nutzfläche, wobei bei bebauten Grundstücken der Grund- und Bodenanteil entsprechend der Gebäudenutzung aufzuteilen ist. Ein bebautes Grundstück kann demgemäß aus folgenden besonderen Wirtschaftsgütern bestehen (Übersicht „Zuordnungsregeln bei unbeweglichen Wirtschaftsgütern”):

     

    Betriebsvermögen – Zuordnungsregeln bei unbeweglichen Wirtschaftsgütern

    Nutzungsart

    Vermögenszuordnung

    eigenbetriebliche Nutzung

    notwendiges Betriebsvermögen

    fremdbetriebliche Nutzung

    willkürfähiges Betriebsvermögen

    fremde Wohnzwecke

    entgeltliche Nutzungsüberlassung: willkürfähiges Betriebsvermögen

    unentgeltliche Nutzungsüberlassung: notwendiges Privatvermögen

    eigene Wohnzwecke

    notwendiges Privatvermögen


    Bei (gemischt-genutzten) Grundstücken erfolgt die Zuordnung nach verselbstständigten Grundstücksteilen entsprechend den Kriterien Nutzungsart, Werthöhe des Grundstücksteils und objektive betriebliche Förderungseignung und für das Gesamtgrundstück wiederum nach der 50-Prozent-Grenze.

    (5) Eigenbetrieblich genutzte Grundstücksteile, deren Wert im Verhältnis zum Gesamtwert des Grundstücks von untergeordneter Bedeutung ist, können dem Privatvermögen zugeordnet werden. Eine untergeordnete Bedeutung wird angenommen, wenn der Wert des Grundstücksteils 20.500 Euro und 20 Prozent des Gesamtwerts nicht übersteigt.

    Mindmap Betriebsvermögen Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/betriebsvermoegen-56241 node56241 Betriebsvermögen node58381 Gesellschaft node56241->node58381 node62908 Zivilrecht node56241->node62908 node55702 Anzeigepflichten des Kreditinstituts ... node62277 Vermögen node55702->node62277 node61804 Teilhaberpapier node61804->node58381 node58382 Gesellschaft bürgerlichen Rechts ... node61803 Teilhaberecht node61803->node58381 node58381->node58382 node60848 Rechtsgeschäft node58381->node60848 node56254 Bewertungsvorschriften nach Steuerrecht node59782 Maßgeblichkeitsprinzip node56254->node59782 node61067 Rückstellungen node61067->node59782 node59782->node56241 node58569 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ... node59782->node58569 node57328 Eigenkapital node56525 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) node61590 Steuerbilanz und Handelsbilanz ... node61590->node56241 node61590->node62277 node58376 Geschäftswert node61590->node58376 node61590->node58569 node58340 Gesamthandsvermögen node61590->node58340 node70637 Betrug node70637->node62908 node60675 Privatrecht node62908->node56525 node62908->node60675 node62277->node56241 node62277->node57328 node58340->node62277
    Mindmap Betriebsvermögen Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/betriebsvermoegen-56241 node56241 Betriebsvermögen node62908 Zivilrecht node56241->node62908 node62277 Vermögen node56241->node62277 node58381 Gesellschaft node56241->node58381 node61590 Steuerbilanz und Handelsbilanz ... node61590->node56241 node59782 Maßgeblichkeitsprinzip node59782->node56241

    News SpringerProfessional.de

    Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete