Direkt zum Inhalt

betriebliche Altersversorgung

GEPRÜFTES WISSEN
Über 100 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 8.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Banklexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: alle Maßnahmen des Arbeitgebers zur Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversorgung seiner Arbeitnehmer und ihnen gleichgestellter Personen (z.B. Handelsvertreter und Berater des Unternehmens), die über die gesetzlichen Verpflichtungen hinausgehen. Leistungen der betrieblichen Altersversorgung können sowohl laufende, nämlich Renten- oder Ratenzahlungen, als auch einmalige Kapitalzahlungen im Versorgungsfall sein.

    2. Merkmale:
    a) Durchführungswege: Das Betriebsrentengesetz kennt fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung, nämlich Direktzusage, Direktversicherung, Pensionskasse, Unterstützungskasse und Pensionsfonds. Bei der Direktzusage schuldet der Arbeitgeber im Versorgungsfall die Leistung selbst. Der Anspruch des Arbeitnehmers richtet sich unmittelbar gegen ihn. Bei den anderen Durchführungswegen bedient sich der Arbeitgeber zur Erfüllung der Leistung eines externen Versorgungsträgers, eines Lebensversicherungsunternehmens (Direktversicherung) oder einer besonderen Versorgungseinrichtung mit eigener Rechtsperson (Pensionskasse, Pensionsfonds oder Unterstützungskasse). Im Versorgungsfalle richtet sich der Anspruch dann nicht unmittelbar gegen den Arbeitgeber, sondern gegen den Versorgungsträger. Wenn der Versorgungsträger nicht in der Lage ist, die zugesagte Versorgungsleistung zu erbringen, hat jedoch grundsätzlich der Arbeitgeber einzustehen (Subsidiärhaftung). Gegebenenfalls bedienen sich Unternehmen gleichzeitig mehrerer Durchführungswege.
    b) Arten von Versorgungszusagen: Betriebliche Altersversorgung kann in Form einer Leistungszusage (z.B. endgehaltsabhängige Versorgungszusage oder Karrieredurchschnittsplan), einer beitragsorientierten Leistungszusage (z.B. Rentenbaustein- bzw. Kapitalbausteinplan oder Cash Balance Plan), einer Beitragszusage mit Mindestleistung oder einer reinen Beitragszusage erfolgen.
    c) Rechtsbegründungsakte: Versorgungszusagen können durch Einzelverträge, vertragliche Einheitsregelungen, Gesamtzusagen, Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge erteilt werden. U.U. können aber auch betriebliche Übung oder der Grundsatz der Gleichbehandlung eine solche begründen.

    3. Steuerrecht:
    a) Arbeitgeber: Inwieweit die Beiträge des Arbeitgebers zur betrieblichen Altersversorgung seiner Belegschaft als Betriebsausgaben gelten, hängt vom gewählten Durchführungsweg ab.
    b) Arbeitnehmer: (1) Beiträge: Während die Zuführung zu einer Pensionsrückstellung (Direktzusage) und die Zuwendungen an eine Unterstützungskasse beim Arbeitnehmer nicht steuerpflichtig sind, gelten Beiträge an Pensionskassen, Pensionsfonds oder für eine Direktversicherung im gleichen Wirtschaftsjahr zwar grundsätzlich als zugeflossene Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit und begründen so eine Steuerpflicht des Arbeitnehmers. Diese Versorgungsbeiträge bleiben allerdings steuerfrei, solange sie acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht übersteigen (§ 3 Nr. 63 EStG). (2) Leistungen: Die Besteuerung betrieblicher Altersversorgungsleistungen knüpft an die steuerliche Behandlung der Altersversorgungsbeiträge beim Arbeitnehmer an. Wenn die Altersversorgungsbeiträge aus unversteuertem Einkommen erbracht werden, dann sind folglich die späteren Altersversorgungsleistungen steuerpflichtig („nachgelagerte“ Besteuerung). Hat der Arbeitnehmer dagegen bereits die Beiträge versteuert, so bleiben die Altersversorgungsleistungen (weitgehend) steuerfrei („vorgelagerte“ Besteuerung).

    4. Sozialversicherungsrecht:
    a) Beiträge: Beiträge des Arbeitgebers zur Finanzierung einer betrieblichen Altersversorgungszusage im Wege einer Direktzusage oder einer Unterstützungskasse sind nicht dem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt zuzurechnen. Arbeitgeberfinanzierte Beiträge, die nach § 3 Nr. 63 EStG von der Einkommensteuer befreit sind (Direktversicherung, Pensionsfonds oder Pensionskasse) sind dagegen nur bis zu einer Obergrenze von vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der Gesetzlichen Rentenversicherung (BBG) von der Sozialversicherungspflicht ausgenommen. Auch durch Entgeltumwandlung finanzierte Beiträge des Arbeitnehmers sind nur in begrenztem Umfang abgabenbefreit: Für Entgeltumwandlungsbeiträge in den Durchführungswegen Direktzusage bzw. Unterstützungskasse einerseits und solche in den Durchführungswegen Direktversicherung, Pensionsfonds oder Pensionskasse andererseits gelten Obergrenzen von jeweils vier Prozent der BBG; allerdings können beide Freibeträge additiv genutzt werden.
    b) Leistungen: Betriebliche Altersversorgungsleistungen begründen keine Beitragspflicht zur gesetzlichen Renten- oder zur Arbeitslosenversicherung. Betriebsrenten sind jedoch der Bemessungsgrundlage für Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (und damit auch zur gesetzlichen Pflegeversicherung) zuzurechnen, wenn der Leistungsempfänger in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert ist und die monatliche Betriebsrente ein Zwanzigstel der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 SGB IV übersteigt. Auch Raten- oder Kapitalleistungen sind grundsätzlich ebenfalls beitragspflichtig.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap betriebliche Altersversorgung Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/betriebliche-altersversorgung-56209 node56209 betriebliche Altersversorgung node60441 Pensionsrückstellungen node56209->node60441 node61778 Tarifvertrag node56209->node61778 node57390 Einkommensteuer (ESt) node56209->node57390 node62333 Vertrag node61067 Rückstellungen node57908 Finanzierung node57908->node60441 node61590 Steuerbilanz und Handelsbilanz ... node61590->node60441 node60441->node61067 node58558 Grundkapital node60441->node58558 node55581 Altersversorgung node55581->node56209 node55580 Altersvermögensgesetz (AVmG) node55580->node56209 node60935 Rentenreform 2001 node55580->node60935 node60655 private Altersvorsorge node60935->node56209 node60935->node55581 node60935->node60655 node59390 Kreditgenossenschaft node60471 Personalmanagement node60471->node61778 node59565 Lebensversicherung node59565->node56209 node60032 natürliche Person node59565->node60032 node60844 Recht node61778->node62333 node61778->node59390 node61778->node60844 node49615 Zusammenveranlagung node61525 Stabilitätsgesetz node61525->node57390 node61593 Steuergegenstand node61593->node57390 node51285 Abgeltungsteuer node57390->node49615 node57390->node51285 node59109 Kapitalerträge node59109->node59565 node62319 Versicherung node62319->node59565 node62324 Versicherungssparen node62324->node59565
      Mindmap betriebliche Altersversorgung Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/betriebliche-altersversorgung-56209 node56209 betriebliche Altersversorgung node57390 Einkommensteuer (ESt) node56209->node57390 node61778 Tarifvertrag node56209->node61778 node60441 Pensionsrückstellungen node56209->node60441 node59565 Lebensversicherung node59565->node56209 node60935 Rentenreform 2001 node60935->node56209

      News SpringerProfessional.de

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Bücher auf springer.com

      Sachgebiete