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Europäische Wirtschafts- und Währungsunion

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    Ausführliche Definition im Online-Lexikon

    zusammenfassende Bezeichnung für geschichtliche Entwicklung und Gegenwart des Europäischen Binnenmarktes und des Euro in der Europäischen Union (EU). Der einheitliche Europäische Binnenmarkt existiert seit 1993, die einheitliche europäische Währung seit 1999. Von Beginn an war die politische Integration Europas nach dem 2. Weltkrieg auch mit der wirtschaftlichen und währungspolitischen Integration verbunden. So verpflichteten sich die Gründungsmitglieder der Europäischen Gemeinschaft in den Römischen Verträgen von 1957, die Wechselkurspolitik "als eine Angelegenheit des gemeinsamen Interesses" zu betrachten. 1970 wurde der sog. Werner-Plan, benannt nach dem damaligen luxembourgischen Finanzminister, vorgelegt. Er sah die stufenweise Verwirklichung einer Wirtschafts- und Währungsunion bis 1980 vor. Der Werner-Plan scheiterte aber an divergierenden Wirtschaftspolitiken im Anschluss an die erste Ölkrise und die Turbulenzen nach dem Ende des Bretton-Woods-Weltwährungssystems. 1972 beschloss der Ministerrat, die Schwankungsbreiten der damals sechs EG-Währungen untereinander auf ± 2,25 Prozent festzuschreiben. Damit war die sog. Währungsschlange geboren. 1979 wurde das Europäische Währungssystem (EWS) auf deutsch-französische Initiative gegründet. Kernelemente sind der Wechselkurs-, der Interventions- und der Kreditmechanismus. 1987 wurde das Ziel einer Währungsunion in der Einheitlichen Europäischen Akte (EEA) fixiert. 1989 wurde der sog. Delors-Bericht, benannt nach dem damaligen französischen Vorsitzenden der Europäischen Kommission, vom Europäischen Rat gebilligt. Der Delors-Bericht sah die Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion in drei Stufen vor. Im Dezember 1991 beschloss der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs die Realisierung der Wirtschafts- und Währungsunion bis spätestens 1999. 1994 wurde das Europäische Währungsinstitut (EWI) mit Sitz in Frankfurt am Main als Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB) gegründet. 1995 wurde der Name der Europawährung, Euro, beschlossen.

    Im Frühjahr 1998 wurden nach Prüfung der Konvergenzkriterien Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxembourg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien in die Währungsunion aufgenommen. Die Konvergenzkriterien sahen ein stabiles Preisniveau, stabile Wechselkurse, die Annäherung der langfristigen Zinssätze sowie die Sicherung der öffentlichen Budgetdisziplin vor. Außerdem verpflichteten sich die genannten Staaten zu einem Stabilitätspakt, der auch nach Beginn der Währungsunion die Defizite der öffentlichen Haushalte begrenzen soll. Griechenland scheiterte zunächst an den Konvergenzkriterien, trat aber 2001 der Euroraum bei. Slowenien schloss sich dem Eurogebiet 2007 an. Zypern und Malta folgten 2008, die Slowakei trat dem Euroraum 2009 bei, weitere Teilnehmer sind Estland, Lettland und Litauen. Dänemark, Großbritannien und Schweden verzichteten zunächst freiwillig auf die Teilnahme (sog. Opting-out-Klausel). Die Währungen dieser Staaten werden über das neue Wechselkurssystem der Europäischen Union, den sog. Wechselkursmechanismus II, an den Euro gebunden. Am 1.7.1998 nahm die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main ihre Arbeit auf und löste das Europäische Währungsinstitut (EWI) ab. Erster Präsident war der Niederländer Wim Duisenberg, ihm folgten Jean-Claude Trichet (Frankreich) und 2011 Mario Draghi (Italien).

    Die unwiderrufliche Fixierung der Umrechnungskurse der nationalen Währungen untereinander und gegenüber dem Euro am 1.1.1999 erfolgte anhand der bilateralen Leitkurse des Europäischen Währungssystems. Die europäische Korbwährung ECU verschwand und wurde im Verhältnis 1:1 gegen den Euro umgetauscht. Die Geldpolitik ging in die alleinige Verantwortung des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) mit der EZB als operativem Organ über. Seit Anfang 2002 ist der Euro gesetzliches Zahlungsmittel in den (inzwischen 19) Mitgliedstaaten der EU, die den Euro eingeführt haben (sog. Eurosystem). Bulgarien, die Tschechische Republik, Dänemark, Kroatien, Polen, Rumänien, Schweden, Ungarn und das Vereinigte Königreich sind Mitglieder der EU, nehmen aber zurzeit nicht an der gemeinsamen Währung teil.

    Weitere Informationen unter www.ecb.int.

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