Direkt zum Inhalt

Staatsverschuldung

GEPRÜFTES WISSEN
Über 100 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 8.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Banklexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition im Online-Lexikon

    1. Begriff: Aufnahme von Fremdmitteln durch den Staat (innerhalb eines bestimmten Zeitraums). I.d.R. werden hierfür synonym die Begriffe öffentliche Verschuldung oder öffentliche Kreditaufnahme verwendet; diese umfassen jedoch nicht nur die Verschuldung von Bund und Ländern, sondern auch der sonstigen Gebietskörperschaften, z.B. der Gemeinden, und der Sondervermögen (öffentliche Kreditaufnahme). Als Bruttoverschuldung wird die gesamte Kreditaufnahme innerhalb einer Periode bezeichnet, die sich als Differenz zwischen den Gesamtausgaben des Staates und seinen nicht-kreditären Einnahmen (v.a. aus Steuern) errechnet. Durch Abzug der Schuldentilgung im gleichen Zeitraum ergibt sich die Netto(neu)verschuldung. Der Haushaltsposten Finanzierungssaldo unterscheidet sich hiervon durch Rücklagen- und Kassenmittelveränderungen sowie die Münzeinnahmen des Bundes (Münzhoheit, Münzregal). Die Staatsverschuldung ist die einzige Form öffentlicher Einnahmen, die an den privaten Sektor zurückzuzahlen sind. Erfolgt sie jedoch in Form einer Zwangsanleihe, hat sie steuerähnlichen Charakter.

    2. Entwicklung: Historisch gesehen hat Staatsverschuldung als prinzipiell nachrangige Einnahmequelle des Staates v.a. in Kriegs- und Krisenzeiten eine wichtige Rolle gespielt, aber hat auch als Instrument der (Voll-)Beschäftigungspolitik in Situationen gesamtwirtschaftlicher Abschwächung Bedeutung erlangt (Deficit-Spending). Im internationalen Vergleich zeigen sich große Unterschiede. Diese sind v.a. darauf zurückzuführen, in welchem Ausmaß ein Staat gerade diese Einnahmequelle nutzt, ob es zu Entwertungen oder Streichungen der öffentlichen Schulden im Zuge eines Staatsbankrotts (Staatsinsolvenz) oder einer Währungsreform kam bzw. ob größere Defizite der Zahlungsbilanz eine Erhöhung der Auslandsverschuldung bewirkten. In der Bundesrepublik ist nach einer Phase der Haushaltskonsolidierung während der 1980er-Jahre nach der deutschen Einigung die Staatsverschuldung rapide angestiegen.

    3. Wirkungen: Im Zusammenhang mit der Rechtfertigung der Staatsverschuldung steht die These der „zeitlichen Lastenverschiebung”, wonach mithilfe der Staatsverschuldung späteren Generationen gewisse Lasten der Staatstätigkeit aufgebürdet werden (können und sollen), da diese auch den Nutzen aus kreditfinanzierten öffentlichen Investitionen ziehen (Pay-as-you-use-Prinzip). Ob tatsächlich realwirtschaftlich eine solche Verschiebung stattfindet, hängt v.a. davon ab, wie Last und Generation definiert werden. Ob und inwieweit die Staatsverschuldung als Instrument antizyklischer Finanzpolitik einsetzbar ist, wovon insbesondere das Stabilitätsgesetz ausgeht, ist ebenfalls umstritten und allenfalls grundsätzlich anerkannt. Fraglich ist schließlich auch, ob die Staatsverschuldung unsoziale Verteilungswirkungen zu Lasten der Bezieher niedrigerer Einkommen zeitigt.

    4. Rechtlich-institutionelle Grenzen der Staatsverschuldung ergeben sich außer aus Art. 115 GG aus dem Stabilitätsgesetz sowie dem Bundesbankgesetz (BBankkG), welches seit 1994 auch Kassenkredite an „öffentliche Verwaltungen” verbietet. Mikroökonomisch bedingte Grenzen heben auf die Finanzierbarkeit, d.h. insbes. auf die Schuldendienstfähigkeit ab; Schwierigkeiten können auch bei der Kreditbeschaffung auftreten. Gesamtwirtschaftlich betrachtet stellt sich die Frage nach einer maximalen oder auch minimalen ökonomisch vertretbaren Staatsverschuldung im Hinblick auf mögliche allokative, stabilisierungspolitische und distributive Wirkungen, wie sie andererseits generell zu deren Rechtfertigung herangezogen werden.

    Mit Ihrer Auswahl die Relevanz der Werbung verbessern und dadurch dieses kostenfreie Angebot refinanzieren: Weitere Informationen

    Mindmap "Staatsverschuldung"

    Hilfe zu diesem Feature
    Mindmap Staatsverschuldung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/staatsverschuldung-61522 node61522 Staatsverschuldung node62476 Währungsreform node61522->node62476 node57935 Finanzpolitik node61522->node57935 node56903 Deficit Spending node61522->node56903 node61525 Stabilitätsgesetz node61522->node61525 node61601 Steuern node61522->node61601 node62753 Zahlungsbilanz node61522->node62753 node61586 Steuerarten node57328 Eigenkapital node62457 Währung node62476->node57328 node62476->node62457 node58274 Geldwertstabilität node62476->node58274 node58204 Geld node62476->node58204 node57935->node56903 node55720 Arbeitslosigkeit node60208 öffentlicher Haushalt node56903->node55720 node56903->node60208 node58341 Gesamtkapitalrentabilität node58341->node61601 node56293 Bilanzanalyse Analyse der ... node56293->node61601 node62119 Unternehmensrechtsformen node62119->node61601 node58351 gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht node61525->node58351 node55616 angebotsorientierte Wirtschaftspolitik node61525->node55616 node61525->node58274 node61601->node61586 node62754 Zahlungsbilanzausgleich node62388 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung node56302 Bilanz der Vermögensübertragungen node58955 Internationale Währungsordnung node58955->node62753 node62753->node62754 node62753->node62388 node62753->node56302 node59997 nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik node59997->node61525
    Mindmap Staatsverschuldung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/staatsverschuldung-61522 node61522 Staatsverschuldung node61525 Stabilitätsgesetz node61522->node61525 node62753 Zahlungsbilanz node61522->node62753 node61601 Steuern node61522->node61601 node56903 Deficit Spending node61522->node56903 node62476 Währungsreform node61522->node62476

    News SpringerProfessional.de

    Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete