Direkt zum Inhalt

Portfolio Selection

GEPRÜFTES WISSEN
Über 100 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 8.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Banklexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    wichtiger Bestandteil der Portfolio-Theorie (i.w.S.), der von Markowitz ausgehenden Theorie der unter Diversifikationsaspekten optimalen Zusammenstellung eines Wertpapier-Portfolios. In der Portfolio-Theorie i.e.S. ergibt sich auf mathematisch-statistischer Basis (Portfolio-Theorie, statistische Methoden) und unter Heranziehung eines Effizienzkriteriums eine Vielzahl sog. effizienter Portefeuilles, deren geometrischer Ort im Rendite-Risiko-Raum (als μ-σ-Raum) durch eine Effizienzkurve abgebildet wird. Markowitz selbst hatte zunächst schlicht dazu aufgerufen, dass der Investor aus diesen effizienten Portefeuilles dasjenige auswählen möge, das seiner Risikopräferenz am ehesten entspricht. Später ist weithin üblich geworden, dieses Entscheidungsproblem unter Rückgriff auf das Instrumentarium der modernen Entscheidungstheorie zu behandeln: durch Gegenüberstellung der Effizienzkurve mit dem System von Rendite-Risiko-Indifferenzkurven als geometrische Orte vom Entscheider gleich wertgeschätzter Rendite-Risiko-Kombinationen. Das optimale Portefeuille ergibt sich dann als Tangentialpunkt der weitestmöglich außen liegenden und damit das höchste erreichbare Nutzenniveau repräsentierenden Indifferenzkurve mit der Effizienzkurve, wie die Abbildung "Portfoliooptimierung nach Markowitz" zeigt.

     


    Über die konzeptionelle Problematik dieses Ansatzes (Mean-Variance-Approach) hinaus stößt allerdings die Handhabung des Instrumentariums auf vielfältige praktische Probleme u.a. bei der Erhältlichkeit des Indifferenzkurvensystems (bes. bei Gruppenentscheidungen), sowie seiner Stabilität im Zeitablauf. Vor diesem Hintergrund kommt der Erweiterung des Modells von Markowitz durch Tobin im Jahre 1958 richtungsweisende Bedeutung zu: Dann, wenn eine sog. "risikolose Anlagemöglichkeit" existiert, ergibt sich eine völlig neue, und zwar linear verlaufende Effizienzkurve, deren Portefeuilles nur noch aus Mischungen dieser risikolosen Anlage mit einer einzigen optimalen Kombination risikobehafteter Wertpapiere, dem sog. Tangentialportefeuille, bestehen. Existiert weiterhin die Möglichkeit zu einer unbeschränkten Kreditaufnahme zu gleichen Konditionen, umfasst die Effizienzkurve auch kreditfinanzierte Investitionen in dieses Portefeuille; dieser Zusammenhang wird als Two-Fund-Theorem bezeichnet. Demnach lässt sich der risikobehaftete Teil des Portefeuilles unabhängig von der Risikoeinstellung des Investors – und damit ohne deren Kenntnis bspw. im Investmentgeschäft – optimieren; seiner individuellen Risikopräferenz kann der Investor dann durch Beimischung einer risikolosen Anlage (für den Fall stärkerer Risikoscheu) bzw. durch Kreditfinanzierung seiner Investition (für den Fall geringer ausgeprägter Risikoscheu) Rechnung tragen. Dass die Voraussetzungen hierfür in der Praxis offenbar nicht gegeben sind, lässt sich u.a. am Angebot nach Risikoklassen gestaffelter Anlageprodukte ("chancenorientiert", "sicherheitsorientiert" etc.) in der standardisierten Vermögensverwaltung erkennen. Unabhängig davon kann auch der Fall eines höheren Kredit- als Anlagezinssatzes in dem Modellrahmen implementiert werden; vgl. Portfolio-Theorie, Modellbeurteilung, Ziff. 2.b)).

    Aus pragmatischer Sicht kann zudem die Einbeziehung von Optionen Abhilfe schaffen: Auch ohne eine risikolose Anlage- und (vor allem) Verschuldungsmöglichkeit zu gleichen Konditionen ergibt sich eine neue, oberhalb der ursprünglichen verlaufende Effizienzkurve: mit tief im Geld (vgl. Moneyness) geschriebenen (und fast sicher ausgeübten) Covered Calls über aus dem Geld geschriebenen Covered Calls, dem Underlying stand alone, In-the-Money-Calls bis hin zu Deep-out-of-the-Money-Calls (Puts jeweils umgekehrt analog) mit einem "Quasi-Marktportefeuille" als Basiswert  – "quasi", weil das Grundmodell der Portfolio-Theorie und damit auch das Capital Asset Pricing Model (CAPM) in seiner Grundversion bei Einbeziehung von Optionen nicht mehr sinnvoll angewandt werden kann (vgl. Portfolio-Theorie, Modellbeurteiliung, Ziff. 1.b)). Derartige Betrachtungen werden bereits seit den 1970er Jahren (Ross, Hakansson) – in der normativen Optionspreistheorie – vielmehr auf wohlfahrtstheoretischer Basis (mit dem Time-state-preference-Ansatz) durchgeführt. An das CAPM herangerückt werden sie allerdings durch die Vorstellung, dass die Marktteilnehmer homogene Erwartungen über die Entwicklung der Wertpapierrenditen unter der Bedingung hegen, dass eine bestimmte Entwicklung des Martportefeuilles eintritt: Die Homogenität dieser bedingten Erwartungen sorgt hier dafür, dass alle Anleger sich nur im Quasi-Marktportefeuille engagieren und allein in (heterogener) Erwartung über dessen Entwicklung die beschriebenen Optionspositionen einnehmen. U.a. die Frage, ob sich hieraus eine marktweite Gesamtposition in allen Optionsserien von Null ergibt und was dies andernfalls bedeutet, führt in tiefe Verästelungen, sogar in kapitalmarktpolitische Handlungsempfehlungen.

    Auf alle Fälle sind die Vervollständigung des Kapitalmarktes durch Einbeziehung einer risikolosen Anlage oder – wie auch immer ausgestaltete – Optionen und das Two-Fund-Theorem ganz unabhängig von kapitalmarktgleichgewichtstheoretischen Überlegungen (CAPM) von großer Bedeutung für die praktische Anwendbarkeit der Portfolio-Theorie. Der Begriff des auf seinen Begründer zurückgehenden Tobinschen Separationstheorems wird allerdings heute ganz überwiegend im Rahmen weiterführender gleichgewichtstheoretischer Konzepte, die insbesondere auf der Annahme vollständig homogener Erwartungen der Marktteilnehmer basieren, verwandt. Das oben genannte Tangentialportefeuille lässt sich dann als das sog. Marktportefeuille (im eigentlichen Sinne) identifizieren, die oben genannte lineare Effizienzkurve als sog. Kapitalmarktlinie; vgl. Tobinsches Separationstheorem, portfolioorientierte Aktienanalyse, Asset Allocation, Minimumvarianzportefeuille, Mean.LPM-Approach.

    Mindmap Portfolio Selection Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/portfolio-selection-60565 node60565 Portfolio Selection node56573 Capital Asset Pricing ... node60565->node56573 node57299 Effizienzkurve node60565->node57299 node57298 Effizienzkriterien node60565->node57298 node70833 Two-Fund-Theorem node60565->node70833 node60568 Portfolio-Theorie node60565->node60568 node59801 Mean-Variance-Approach node60565->node59801 node57803 Faktormodelle node56573->node57803 node56573->node57299 node56573->node59801 node99178 Lower Partial Moments node99178->node56573 node99178->node59801 node57341 Eigenkapitalkosten node57341->node56573 node59073 Jensen-Alpha node59073->node56573 node57299->node57298 node57299->node60568 node61306 Shortfall-Risiko node57298->node61306 node62180 Varianz node57298->node62180 node70422 Roy-Kriterium node57298->node70422 node70833->node56573 node70833->node57299 node70833->node60568 node62831 Zinsänderungsrisiko node70833->node62831 node70422->node60565 node59801->node61306 node59801->node62180
    Mindmap Portfolio Selection Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/portfolio-selection-60565 node60565 Portfolio Selection node56573 Capital Asset Pricing ... node60565->node56573 node57299 Effizienzkurve node60565->node57299 node57298 Effizienzkriterien node60565->node57298 node70833 Two-Fund-Theorem node60565->node70833 node59801 Mean-Variance-Approach node60565->node59801

    News SpringerProfessional.de

    Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete