Direkt zum Inhalt

Maximalbelastungstheorie

GEPRÜFTES WISSEN
Über 100 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 8.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Banklexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition im Online-Lexikon

    Während die Goldene Bankregel, die Bodensatztheorie sowie die Shiftability-Theorie die Fortführung der Geschäftstätigkeit einer Bank unterstellen, geht die auf Wolfgang Stützel zurückzuführende Maximalbelastungstheorie von einem Run aus, einer Situation also, in der alle Einleger einer Bank ihre Einlagen abziehen. Stützel fordert für einen solchen Fall der extremen Liquiditätsanspannung, dass eine Bank jederzeit in der Lage sein müsse, ihren Auszahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Die zur Erfüllung von Auszahlungsverpflichtungen erforderlichen liquiden Mittel müssten ggf. auch durch die Notveräußerung von Vermögenswerten vor deren Fälligkeit beschafft werden, wobei Verluste entstehen können. Die Verluste, die bei einer vorzeitigen Abtretung von Vermögenswerten entstehen, dürften allerdings nicht größer sein als das Eigenkapital einer Bank.

    Ob derartige Abtretungsverluste durch Eigenkapital gedeckt sind, ist den Überlegungen Stützels zufolge mithilfe einer Einlegerschutzbilanz zu ermitteln. In dieser Testbilanz, die nach den Vorstellungen Stützels von den Geschäftsleitern einer Bank regelmäßig zu erstellen ist, werden – ausgehend von den Werten der Handelsbilanz – die einzelnen Vermögenswerte entsprechend dem wahrscheinlichen Verlust, der bei ihrer Transformation in primärliquide Mittel insbesondere aufgrund der Bonitäts- und Zinsänderungsrisiken entsteht, abgeschrieben. Diese Liquidationsverluste müssen durch das Eigenkapital der Bank gedeckt sein.

    Die Kritik an der Maximalbelastungstheorie gilt einerseits ihrer Praktikabilität. Tatsächlich sind die Abschläge auf die Vermögenswerte aufgrund der Risiken in der Praxis kaum abschätzbar; somit ist eine objektive Überprüfung der Abschläge und die Glaubhaftmachung, dass eine Bank im Extremfall ihren Auszahlungsverpflichtungen nachkommen kann, kaum möglich. Andererseits wird es aber auch als problematisch erachtet, dass Stützel seiner Theorie nicht den Normalfall der Unternehmensfortführung, sondern den Extremfall eines Run zugrunde legt. Die aus der Testbilanz ermittelte angemessene Ausstattung an Eigenkapital muss nach seiner Vorstellung deswegen so dimensioniert sein, dass die gesamten Liquidationsverluste im Maximalbelastungsfall abgedeckt werden können. Geht man jedoch vom Fall der Unternehmensfortführung und damit von der „normalen“ Abwicklung der Geschäfte aus, so werden die dabei auftretenden Verluste geringer sein als bei einer Zwangsliquidation der einzelnen Vermögenspositionen im Run-Fall. Folglich muss eine auf den Extremfall abstellende Eigenkapitalausstattung einer Bank höher sein als das Haftungspotenzial, das im Normalfall erforderlich ist.

    Mit Ihrer Auswahl die Relevanz der Werbung verbessern und dadurch dieses kostenfreie Angebot refinanzieren: Weitere Informationen

    Mindmap "Maximalbelastungstheorie"

    Hilfe zu diesem Feature
    Mindmap Maximalbelastungstheorie Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/maximalbelastungstheorie-70958 node70958 Maximalbelastungstheorie node70923 Gläubigerrun node70958->node70923 node58494 Goldene Bankregel node70958->node58494 node70953 primärliquide Mittel node70958->node70953 node27012 Bodensatztheorie node70958->node27012 node70957 Shiftability-Theorie node70958->node70957 node57330 Eigenkapital der Kreditinstitute node70958->node57330 node70955 sekundärliquide Mittel node55942 bankaufsichtsrechtliche Risikobegrenzungsnormen node55942->node70923 node81543 Mindestanforderung an Eigenmittel ... node81543->node70923 node59638 Liquiditätsgrundsätze node59638->node58494 node57915 Finanzierungsregeln node58104 Fristenkongruenz node59643 Liquiditätsmanagement node59643->node58494 node58494->node57915 node58494->node58104 node59634 Liquidität node59634->node70957 node40820 Liquiditätstheorie node27012->node40820 node36466 goldene Bankregel node27012->node36466 node70957->node70955 node70957->node70953 node55954 Bankbilanz node59401 Kreditinstitut i.S. des ... node57328 Eigenkapital node57346 Eigenmittel node57330->node55954 node57330->node59401 node57330->node57328 node57330->node57346 node70595 Zombiebanken node70595->node70923
    Mindmap Maximalbelastungstheorie Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/maximalbelastungstheorie-70958 node70958 Maximalbelastungstheorie node27012 Bodensatztheorie node70958->node27012 node57330 Eigenkapital der Kreditinstitute node70958->node57330 node70957 Shiftability-Theorie node70958->node70957 node58494 Goldene Bankregel node70958->node58494 node70923 Gläubigerrun node70958->node70923

    News SpringerProfessional.de

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete