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Geldschöpfungsmultiplikator

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Das Original: Gabler Banklexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Allgemein: In der traditionellen Sichtweise können Kreditinstitute mit Zentralbankgeld in einem mehrstufigen, von Bank zu Bank sich übertragenden Prozess gegenüber der Überschussreserve ein Vielfaches an Giralgeld schaffen (Geldschöpfung).

    2. Liquiditätsreserve, Überschussreserve und Geldschöpfungsmultiplikator: Empfängt eine Bank z.B. durch Bareinzahlung auf ein bei ihr geführtes Konto Zentralbankgeld, so kann sie dieses Geld abzüglich einer Liquiditätsreserve (Barreserve bzw. Mindestreserve) zur Kreditvergabe nutzen, indem sie einem Kreditnehmer Giralgeld bereitstellt. Der für die Kreditvergabe zur Verfügung stehende Überschuss bildet Überschussreserven der Kreditinstitute. Gelangt das Geld vom Kreditnehmer durch Überweisung zu einer anderen Bank, so kann diese wiederum nach Abzug der Überschussreserve Kredit vergeben und Giralgeld schaffen. Die Summe des insgesamt im Bankensystem befindlichen Giralgeldes bzw. die Größenordnung der multiplikativen Wirkung hängt wesentlich von der im Bankensystem gehaltenen Liquiditätsreserve und von möglichen Barabhebungen der Kunden („Sickerverlust”) ab. Liquiditätsreserve und Barabhebungen verringern also den Geldschöpfungsmultiplikator.

    3. Mindestreserve: Durch die von der Notenbank den Kreditinstituten vorgeschriebene Mindestreserve, die in Form von Sichteinlagen bei der Zentralbank zu unterhalten ist, kann diese die Geldschöpfungsmöglichkeiten des Bankensystems beeinflussen. Mindestreservesatzvariationen verändern die zu haltende Liquiditätsreserve. Das gelingt jedoch nur, wenn die zu haltende Mindestreserve mindestens so hoch ist wie die freiwillige Liquiditätsreservehaltung der Banken. Mindestreservesatzerhöhungen verringern dann den Geldschöpfungsmultiplikator, Mindestreservesatzverringerungen erhöhen ihn.

    4. Berechnung des Geldschöpfungsmultiplikators, der die maximal mögliche Giralgeldschöpfung nach einem Zentralbankgeldzufluss angibt:

     

    ΔG = zusätzlich geschaffenes Giralgeld,
    ÜR = erste Überschussreserve infolge eines Zentralbankgeldzuflusses (Bareinzahlung bei einer Bank),
    r = Liquiditätsreservesatz,
    c = Barabhebungssatz.



    5. Wirkungsweise: Die tatsächlich geschaffene Giralgeldmenge wird von dem formelmäßig errechneten Wert abweichen, weil im Verlauf des Geldschöpfungsprozesses Verhaltensschwankungen vorkommen, die von dem mechanistischen Konzept nicht erfasst werden.
    Der Barabhebungssatz wird als konstant angenommen. Dieser schwankt jedoch im Verlauf eines Jahres erheblich (z.B. Feiertage, Ferienzeiten).
    Die Kreditvergabe und damit Buchgeldschöpfung erfolgt stets nur in Höhe der Überschussreserve; d.h. es wird unterstellt, dass die einzelne Bank nur in Höhe der Überschussreserve Giralgeld schöpfen kann. Auch diese Prämisse muss nicht für jedes Kreditinstitut zutreffen. So kann dieses durchaus in der Lage sein, über die errechnete Überschussreserve hinaus Kredite zu vergeben, wenn es anderweitig auf Zentralbankgeld zurückgreifen kann.
    Zudem ist nicht sicher, ob in Höhe der Überschussreserve stets Kreditnachfrage besteht bzw. ob Kreditinstitute immer an einer Kreditvergabe in Höhe der Überschussreserve interessiert sind (Durch Bareinzahlung erhaltenes Zentralbankgeld wird z.B. nicht zur Kreditvergabe genutzt, sondern zum Abbau der Verschuldung bei der Zentralbank.).

    Außerdem täuscht der Eindruck, es sei in jedem Falle ein Zentralbankgeldzufluss, der die monetäre Expansion in Gang setzt. Die Erfahrung mit der Geldmengensteuerung zeigt: Entschließen sich Kreditinstitute zur Kreditvergabe oder nutzen Bankkunden die ihnen von Kreditinstituten eingeräumten Darlehenszusagen aus, wird der Geldschöpfungsprozess zunächst auch ohne Zentralbankgeldzufluss und ohne Zutun der Notenbank in Bewegung gebracht. Damit entsteht (nachdem die zur Kredit- und Geldmengenexpansion führenden Entscheidungen von Wirtschaft und Banken bereits gefallen sind) unvermeidlich ein zusätzlicher Bedarf an Zentralbankgeld für das Bankensystem als Ganzes, da Bargeldumlauf und Mindestreservesoll zunehmen. Sollen allzu starke Zinsschwankungen am Geldmarkt vermieden werden, wird die Notenbank auf kurze Sicht den Zentralbankgeldbedarf der Kreditinstitute befriedigen (als lender of last resort). Danach muss sie (in einem eher indirekt ablaufenden) Steuerungsverfahren mithilfe ihrer Instrumente die Zinskonditionen und Knappheitsverhältnisse am Geldmarkt so beeinflussen, dass die monetäre Expansion ihren Zielvorstellungen entspricht.

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