Direkt zum Inhalt

Finanzierungsregeln

GEPRÜFTES WISSEN
Über 100 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 8.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Banklexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Finanzierungsregeln sind normative Aussagen über Relationen von Kapitalteilen zueinander (vertikale Finanzierungsregeln = Kapitalstrukturregeln) oder bestimmter Kapitalteile zu bestimmten Vermögensteilen (horizontale Finanzierungsregeln = Kapitalvermögensstrukturregeln). Durch die Einhaltung von Finanzierungsregeln soll die Liquidität eines Unternehmens gewährleistet werden. Sie werden durch Strukturkennzahlen (Bilanzkennzahlen, Bilanzanalyse) ausgedrückt, die aus der Handelsbilanz entwickelt werden. Trotz kritischer Einwendungen werden statische Kapitalstrukturregeln und Kapitalvermögensstrukturregeln bei Kreditentscheidungen berücksichtigt.

    2. Vertikale Finanzierungsregeln (Kapitalstrukturregeln): Diese sind abgestellt auf den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital (Eigenkapitalquote) oder auf die Relation von Eigenkapital zu Fremdkapital oder von Fremdkapital zu Eigenkapital (Verschuldungsgrad). Die Kapitalstrukturregeln gehen von der Vorstellung aus, dass eine hohe Eigenkapitalquote eine weitgehende Unabhängigkeit von Gläubigern gewährleistet, die Kreditwürdigkeit verbessert und damit die Möglichkeit erhöht, weiteres Fremdkapital aufzunehmen.
    Zu den vertikalen Kapitalstrukturregeln ist kritisch anzumerken, dass sie die Verwendung der finanziellen Mittel (Kapitalverwendung) unberücksichtigt lassen. Stille Reserven bleiben außer Ansatz. Auch die mögliche Ausnutzung des Leverage-Effekts bleibt unbeachtet.

    3. Horizontale Finanzierungsregeln (Kapitalvermögensstrukturregeln): Diese Regeln basieren auf dem Versuch, aus den aktuellen Beständen an Aktiva und Passiva auf die Höhe und den Anfall künftiger Ein- und Auszahlungen zu schließen. Nach der sog. Goldenen Finanzierungsregel (auch Goldene Bankregel genannt) soll die Dauer der Kapitalbindung im Vermögen nicht länger sein als die Dauer der Kapitalüberlassung (Fristenkongruenz im Aktiv- und Passivgeschäft). Mit der sog. Goldenen Bilanzregel wird die geforderte Fristenübereinstimmung zwischen Kapital und Vermögen mit der Forderung nach bestimmten Finanzierungsarten verbunden (Grad der Anlagendeckung). In der engeren Fassung fordert diese Regel die vollständige Finanzierung des Anlagevermögens durch Eigenkapital: Eigenkapital zu Anlagevermögen ≥ 1. In der weiteren Fassung wird eine grundsätzlich langfristige Finanzierung des Anlagevermögens (bzw. des langfristig gebundenen Umlaufvermögens) gefordert: Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital zu Anlagevermögen ≥ 1 bzw. Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital zu Anlagevermögen + langfristig gebundenes Umlaufvermögen ≥ 1.

    4. Kritik an den vertikalen und horizontalen Finanzierungsregeln: Die konkreten Fälligkeitstermine der Verbindlichkeiten und die Monetisierungstermine der Vermögensteile sind aus der Bilanz nicht erkennbar. Gleiches gilt für eingeräumte, aber nicht in Anspruch genommene Kreditlinien. Die Bilanz kann zum Zwecke der Darstellung einer günstigen Liquiditätssituation beeinflusst sein (z.B. durch Sale-and-Lease-Back bei Gegenständen des Anlagevermögens). Mögliches Factoring lässt die Kreditgewährung durch den Factor nicht erkennen. Ab- und Zuflüsse von Finanzmitteln (durch Löhne, Leasingraten, Mieten, Umsätze usw.) bleiben unberücksichtigt. Bei der Gegenüberstellung von Anlagevermögen und langfristigem Kapital wird unterstellt, dass die Abschreibungsgegenwerte tatsächlich über den Umsatzprozess zurückfließen. Nicht berücksichtigt wird, dass Finanzierungsmittel für künftige Ersatzbeschaffungen benötigt werden. Auch die mögliche Prolongation von Krediten bleibt unbeachtet. Finanzierungsregeln, die auf bestandsorientierten (statischen) Liquiditätsanalysen basieren, haben nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Sie sind daher um dynamische Liquiditätsanalysen (Kapitalflussrechnung, Analyse des Cashflow) zu ergänzen.

    Mindmap Finanzierungsregeln Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/finanzierungsregeln-57915 node57915 Finanzierungsregeln node59634 Liquidität node57915->node59634 node57328 Eigenkapital node57915->node57328 node62277 Vermögen node57915->node62277 node56594 Cashflow node57915->node56594 node55702 Anzeigepflichten des Kreditinstituts ... node55702->node62277 node58274 Geldwertstabilität node56184 bestätigter Bundesbank-Scheck node56184->node59634 node58245 Geldmengensteuerung node59634->node58274 node59634->node58245 node58494 Goldene Bankregel node58494->node57915 node59638 Liquiditätsgrundsätze node59638->node57915 node58104 Fristenkongruenz node59638->node58104 node56364 Bodensatztheorie node56364->node58104 node58104->node57915 node58104->node58494 node58340 Gesamthandsvermögen node58340->node62277 node61590 Steuerbilanz und Handelsbilanz ... node62277->node57328 node62277->node61590 node99516 Skew-Trading node99516->node56594 node60969 Return on Investment ... node60969->node56594 node62728 Yield-to-Maturity (YTM) node62728->node56594 node70471 Hybridkapital node70471->node57328 node62677 wirtschaftliches Eigenkapital node62677->node57328 node57341 Eigenkapitalkosten node57341->node57328 node57341->node56594 node56166 Berichtigungsabschlag node56166->node57328 node70473 Liquidity Coverage Ratio ... node70473->node59634
    Mindmap Finanzierungsregeln Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/finanzierungsregeln-57915 node57915 Finanzierungsregeln node57328 Eigenkapital node57915->node57328 node56594 Cashflow node57915->node56594 node62277 Vermögen node57915->node62277 node59634 Liquidität node57915->node59634 node58104 Fristenkongruenz node58104->node57915

    News SpringerProfessional.de

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete