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Banking-Innovation

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Das Original: Gabler Banklexikon

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    Ausführliche Definition im Online-Lexikon

    1. Begriff: Eine Banking-Innovation bezeichnet neuartige Lösungen von Geschäftsmodellen, Produkten, Dienstleistungen, Prozessen, Organisationen oder Anwendungssystemen, die eine Neu- oder Weiterentwicklung im Finanzdienstleistungsbereich darstellen. Dem Innovationsbegriff (griech. „Innovatio“ – „Erneuerung“, „etwas neu Geschaffenes“) folgend, gehen Innovationen über graduelle Verbesserungen hinaus. Im Vordergrund steht eine neue Idee und deren Umsetzung in die Praxis. Diese kann durch veränderte Kundenanforderungen („Market Pull“) und/oder neue technologische Möglichkeiten („Technology Push“) getrieben sein. Erstere könnten sich beispielsweise in der Forderung nach multibankfähigen Lösungen und Letztere in der Verwendung neuer Endgeräte finden. Von Bedeutung ist bei Banking-Innovationen der Bezug zur Finanzindustrie, die mit ihrem überwiegend immateriellen, informationsbasierten Charakter eine Nähe zum Forschungsgebiet der „Service Innovation“ sowie zum innovativen, häufig durch Startup-Unternehmen getriebenen Bereich der "Financial Technologies" (FinTech) aufweist.

    2. Merkmale: Innovationen lassen sich primär hinsichtlich ihres Neuigkeitsgrades („Radikalinnovationen“, „Verbesserungsinnovationen“, „Routineinnovationen“) sowie des Innovationsobjektes („Geschäftsmodell“, „Produkt“, „Prozess“, „Organisation“, „Anwendungssystem“) unterscheiden. Danach können Innovationen im Bankenumfeld in drei Bereichen existieren:
    a) Aus der strategischen Sicht betreffen Banking-Innovationen Neuerungen im Geschäftsmodell, die z.B. in den adressierten Kundensegmenten (z.B. Retail Banking, Private Banking, Corporate Banking), der Ausgestaltung des Geschäftsmodells (Erlösmodell, Kanalstrategie etc.) oder auch des Nutzens für die Beteiligten liegen. Weitere Kritierien sind die Interaktionsformen (B2B, C2C, B2C) oder die Positionierung gegenüber Banken (Konkurrenz, Kooperation).
    b) Das Prozessmodell bezieht den Innovationscharakter auf fachliche Anwendungsbereiche, wie etwa Anlegen, Zahlen und Finanzieren (Bankmodell). Mit veränderten Prozessen entstehen häufig auch neue Akteure und Funktionen in der Wertschöpfungskette bzw. im Finanznetzwerk (z.B. die Nutzung von sozialen Netzwerken für Beratungs- und Servicezwecke).
    c) Aus Sicht der Informationssysteme (IS) charakterisiert das IS-Modell Banking-Innovationen hinsichtlich der verwendeten Plattformen (Kernbankensysteme, App-Stores etc.), der unterstützten Endgeräte (Smartphone, Tablet, TV etc.) sowie der verwendeten Standards und Schnittstellen. Jüngere Entwicklungen beruhen häufig auf diesen IS-getriebenen Banking-Innovationen, die als Enabler geschäftlicher Transformation gelten. Beispielsweise verändert eine verbesserte Transparenz über Konditionen mittels Vergleichsportalen und Erfahrungen über Social Media die Informationsasymmetrien zwischen den Beteiligten und eine veränderte bzw. direktere Kundenbeziehung. Ebenso können Technologien im Big Data- und Artificial Intelligence (AI)-Umfeld eine Prozessautomation in Backoffice- sowie teilweise in Frontoffice-Bereichen (z.B. Risikoprüfung, Kundenberatung/Robo Advice) ermöglichen. Eine zusätzliche Dynamik ergibt sich aus der zunehmenden Konkurrenz für Banken aus technologischen Industriezweigen („Non-Banks“) sowie veränderten Kundenanforderungen („Digital Natives“).

    3. Beispiele: Seit etwa 2010 ist eine hohe Dynamik im Bereich der Banking-Innovationen zu beobachten. So erlauben mobile Endgeräte, wie Smartphones und Tablet-PCs, einen höheren Grad an Self-Services und eine ubiquitäre Abwicklung von Bankgeschäften. Beispiele hierfür sind Finanz-Apps oder Mobile-Payment-Lösungen. Die Divergenz von technologischen und kundenseitigen Änderungen zeigt sich in Innovationen, welche beispielweise soziale Netzwerke als komplementäre Informationsquelle für den Informations- und Erfahrungsaustausch direkt zwischen Kunden (Open Innovation) nutzen. Zahlreiche Geschäftsmodelle haben diese Möglichkeiten bereits aufgegriffen, beispielsweise in der Kreditvermittlung („Peer-to-Peer Lending“, „Social Lending“, „Crowdfunding“), bei Anlagefragen („Covesting“, „Trading-Communities“, „Wikis“) oder im Zahlungsbereich („Payment-Networks“, alternative Währungen). Weiterhin bildet auch das wachsende Datenvolumen durch digital vernetzte Kunden eine Grundlage für Banking-Innovationen. Datenbasierte Innovationen erlauben z.B. kundenindividuelle Ansprachen im Electronic Banking („Recommendation Marketing“), Entscheidungsunterstützung und Vergleichsmöglichkeit (Benchmarking, Budgetierung, Zahlungsanalysen, Vergleichsportale) oder auch Betrugserkennung bei Kreditkartenzahlungen. Weiterhin finden sich Innovationen, bei denen keine funktionellen Aspekte im Mittelpunkt stehen, sondern das Kundenerlebnis („Experience“). IS unterstützen beispielsweise den Kunden bei seinen Finanzangelegenheiten und vereinfachen Sachverhalte bzw. leisten einen Beitrag zur Motivation von Kunden oder Mitarbeitern („Gamification“).

    4. Beurteilung: Banking-Innovationen haben das Potenzial für Veränderungen im Finanznetzwerk. Diese Transformation der angestammten Arbeits- und Rollenverteilung im Finanzbereich durch „Non-Banks“, wie etwa Unternehmen aus dem Technologie- und Kommunikationsbereich (z.B. Internet-und Telekommunikationsunternehmen) oder neue Anbieter von Finanzdienstleistungen (z.B. „Social Lending“), bedeuten Machtverluste der bestehenden Banken und das Entstehen verstärkt kundenorientierte Lösungen. Regulatorische und wirtschaftliche Umstände wirken als zusätzliche Katalysatoren bei dieser Transformation. Letztlich sind bei diesen Veränderungen jedoch die Besonderheiten der Finanzindustrie zu beachten, wonach weniger die Unterhaltung und das Erlebnis als der verlässliche und nachhaltige Umgang mit dem „ernsten Gut Geld“ im Vordergrund stehen.

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