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außerbörslicher Direkthandel

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Das Original: Gabler Banklexikon

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    Ausführliche Definition im Online-Lexikon

    1. Begriff: Beim außerbörslichen Direkthandel (oder auch Sekundenhandel oder Emittentenhandel) handelt es sich um ein außerbörsliches Wertpapiergeschäft zwischen privaten, selbstbestimmten Onlineinvestoren einerseits und Emittenten oder Market Makern andererseits. Abgewickelt wird der Handel über eine von Zugangsintermediären (bspw. Onlinebroker) bereitgestellte internetbasierte Plattform. Der außerbörsliche Direkthandel bezieht sich nur auf den außerbörslichen Handel von privaten, selbstbestimmten Onlineinvestoren und ist somit eine Unterklasse des außerbörslichen Handels (oder auch Over-The-Counter- (OTC) Handel).  

    2. Merkmale: Beim außerbörslichen Direkthandel handelt der private, selbstbestimmte Onlineinvestor über seinen Zugangsintermediär direkt mit dem Emittenten oder Market Maker eines Wertpapiers. Die Investoren stellen über das Handelsfrontend der Onlinebroker eine Handelsanfrage über eine bestimmte Menge an Wertpapieren. Daraufhin reagiert der Emittent bzw. Market Maker mit einem Preisvorschlag für die nachgefragte Menge (Quote), der  für einen kurzen Zeitraum (typischerweise fünf bis acht Sekunden) zur Verfügung steht, aber rechtlich noch nicht bindend ist. Der Investor kann per Mausklick innerhalb der Gültigkeitsdauer des Quotes ein Angebot zum gerade vom Handelspartner gestellten Preis abgeben. Das Angebot wird dann im Regelfall vom Emittenten bzw. Market Maker angenommen. Dieser Marktmechanismus wird „request-for-quote“ genannt und ist eine Form der quote-getriebenen Handelsmechanismen. Im außerbörslichen Direkthandel werden Retailzertifikate, Aktien, Optionsscheine, Anleihen und Exchange Traded Funds (ETFs) gehandelt. Insbesondere Retailzertifikate werden laut dem Deutschen Derivate Verband mehrheitlich über den außerbörslichen Direkthandel vertrieben. Die technische Durchführung des außerbörslichen Direkthandels erfolgt über sogenannte Alternative Handelssysteme (im engl. Alternative Trading Systems (ATS)) wie zum Beispiel das von der Börse Stuttgart betriebene System „Trading Information and Quote System“ (TIQS) oder das von der Citibank betriebene „Citibank Computer Assisted Trading System“ (CATS-OS).
    Der außerbörsliche Direkthandel unterscheidet sich vom börslichen Handel in verschiedenen Dimensionen:
    a) Marktmechanismus: Im Gegensatz zum außerbörslichen Handel („request-for-quote“) wird der Börsenhandel typischerweise über einen order-getriebenen Marktmechanismus abgewickelt.
    b) Transaktionskosten: Die expliziten Transaktionskosten für den Investor sind beim außerbörslichen Handel typischerweise geringer als beim Börsenhandel (dies gilt nicht notwendigerweise für die impliziten Transaktionskosten (Geld-Brief-Spanne), diese können sogar höher als beim Börsenhandel sein). So fallen erstens beim außerbörslichen Handel im Gegensatz zum Börsenhandel  keine Maklercourtage oder Börsengebühren an. Zweitens berechnen die meisten Zugangsintermediäre generell geringere Servicegebühren für den außerbörslichen Handel. Drittens bieten insbesondere Onlinebroker häufig „Low-Fee“- oder „No-Fee“-Aktionen für den außerbörslichen Handel an.
    c) Handelszeiten: Im außerbörslichen Direkthandel sind für viele Wertpapiere längere Handelszeiten als im Börsenhandel vorgesehen. Während auf dem größten deutschen börslichen Handelssystem Xetra werktäglich von 09:00 bis 17:30 und an den meisten deutschen Regionalbörsen von 08:00 bis 20:00 gehandelt wird, ist der außerbörsliche Direkthandel für viele Wertpapiere werktäglich von 08:00 bis 22:00 möglich. Zusätzlich bieten einige wenige Market Maker auch außerbörsliche Handelszeiten am Wochenende an.
    d) Regulierung: Im Vergleich zum Börsenhandel ist der außerbörsliche Direkthandel in Deutschland weniger streng reguliert. So findet bspw. das Börsengesetz (BörsG) keine und das WpHG nur unvollständig Anwendung.
    e) Direktheit: Im außerbörslichen Handel wird die sofortige Ausführung eines Trades zu einem vorher bekannten Preis zugesagt, während im Börsenhandel die Orderausführung abhängig von einem passenden Gegenangebot ist.

    3:
     Entwicklung bzw. Geschichte des Begriffs: Seit seiner Einführung Ende der 1990er-Jahre hat der außerbörsliche Direkthandel im deutschen Markt stetig an Bedeutung gewonnen. Heute bieten alle großen Onlinebroker die Möglichkeit, außerbörslich direkt zu handeln. Auch die Anzahl der handelbaren Produkte und Produktgattungen hat sich in den letzten Jahren substantiell erhöht. Vor allem die Ausweitung des Angebots an Retailzertifikaten war ein wichtiger Wachstumstreiber des außerbörslichen Direkthandels. Weiterhin wurden über die Jahre unterschiedliche Limitfunktionen in verschiedenen außerbörslichen Direkthandelssystemen integriert. Daher entspricht der Marktmechanismus heutzutage oft nicht mehr dem reinen „request-for-quote“-Mechanismus.

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